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Die Falle
eine antiautoritäre Weihnachtsgeschichte von Robert Gernhardt
Da Herr Lemm, der ein reicher Mann war, seinen beiden Kindern zum
Christfest eine besondere Freude machen wollte, rief er Anfang Dezember beim Studentenwerk an und erkundigte sich, ob es stimme, dass die Organisation zum Weihnachtsfest Weihnachtsmänner vermittle. Ja, das habe seine
Richtigkeit. Studenten stünden dafür bereit, 25 DM koste eine Bescherung, die Kostüm brächten die Studenten mit, die Geschenke müsste der Hausherr natürlich selbst stellen. "Versteht sich, versteht sich", sagte Herr
Lemm, gab die Adresse seiner Villa in Berlin-Dahlem an und bestellte einen Weihnachtsmann für den 24. Dezember um 18 Uhr. Seine Kinder seien noch klein, und da sei es nicht gut, sie allzu lange auf die Bescherung warten zu
lassen. Der bestellte Weihnachtsmann kam pünktlich. Er war ein Student mit schwarzem Vollbart, unter dem Arm trug er ein Paket. „Wollen Sie so auftreten?" fragte Herr Lemm. „Nein", antwortete der Student, „da
kommt natürlich noch ein weißer Bart darüber. Kann ich mich hier irgendwo umziehen?". Er wurde in die Küche geschickt. „Da stehen aber leckere Sachen", sagte er und deutete auf die kalten Platten, die auf dem
Küchentisch standen. „Nach der Bescherung, wenn die Kinder im Bett sind, wollen noch Geschäftsfreunde meines Mannes vorbeischauen", erwiderte die Hausfrau. „ Daher eilt es etwas. Könnten Sie bald anfangen?" Der
Student war schnell umgezogen. Er hatte jetzt einen roten Mantel mit roter Kapuze an und band sich einen weißen Bart um. „Und nun zu den Geschenken", sagte Herr Lemm. „Diese Sachen sind für den Jungen, Thomas", er
zeigte auf ein kleines Fahrrad und andere Spielsachen, „und das bekommt Petra, das Mädchen, ich meine die Puppe und die Sachen da drüben. Die Namen stehen jeweils drauf, da wird wohl nichts schief gehen. Und hier ist noch ein
Zettel, auf dem ein paar Unarten der Kinder notiert sind, reden Sie ihnen einmal ins Gewissen, aber verängstigen Sie sie nicht, vielleicht genügt es, etwas mit der Rute zu drohen. Und versuchen Sie, die Sache möglichst rasch zu
machen, weil wir noch Besuch erwarten." Der Weihnachtsmann nickte und packte die Geschenke in den Sack. „Rufen Sie die Kinder schon ins Weihnichtszimmer, ich komme gleich nach. Und noch eine Frage. Gibt es hier ein
Telefon? Ich muss jemanden anrufen." „In der Diele rechts. " „Danke." Nach einigen Minuten war dann alles soweit. Mit dem Sack über dem Rücken ging der Student auf die angelehnte Tür des
Weihnachtszimmers zu. Einen Moment blieb er stehen. Er hörte die Stimme von Herrn Lemm, der gerade sagte: „Wisst ihr, wer jetzt gleich kommen wird? ja, Petra, der Weihnachtsmann, von dem wir euch schon so viel erzählt haben.
Benehmt euch schön brav... " Fröhlich öffnete er die Tür. Blinzelnd blieb er stehen. Er sah den brennenden Baum, die erwartungsvollen Kinder, die feierlichen Eltern. Es hatte geklappt, jetzt fiel die Falle zu. „Guten
Tag, liebe Kinder", sagte er mit tiefer Stimme. „Ihr seid also Thomas und Petra. Und ihr wisst sicher, wer ich bin, oder?" „Der Weihnachtsmann", sagte Thomas etwas ängstlich. „Richtig. Und ich komme zu euch,
weil heute Weihnachten ist. Doch bevor ich nachschaue, was ich alles in meinem Sack habe, wollen wir erst einmal ein Lied singen. Kennt ihr ‚Stille Nacht, heilige Nacht'? Ja? Also!" Er begann mit lauter Stimme zu
singen, doch mitten im Lied brach er ab. „Aber, aber, die Eltern singen ja nicht mit! Jetzt fangen wir alle noch mal von vorne an. Oder haben wir den Text etwa nicht gelernt? Wie geht denn das Lied, Herr Lemm?" Herr
Lemm blickte den Weihnachtsmann befremdet an. „Stille Nacht, heilige Nacht, alles schläft, einer wacht ... Der Weihnachtsmann klopfte mit der Rute auf den Tisch: „Einsam wacht! Weiter! Nur das traute ..." „Nur das
traute, hochheilige Paar", sagte Frau Lemm betreten, und leise fügte sie hinzu: „Holder Knabe im lockigen Haar." „Vorsagen gilt nicht", sagte der Weihnachtsmann barsch und hob die Rute. „Wie geht es
weiter?" „Holder Knabe im lockigen..." „im lockigen was? „Ich weiß es nicht", sagte Herr Lemm. Aber was soll denn diese Fragerei? Sie sind hier, um..." Seine Frau stieß ihn in die Seite, und
als er die erstaunten Blickt seiner Kinder sah, verstummte Herr Lemm. „Holder Knabe im lockigen Haar", sagte der Weihnachtsmann, ."Schlaf in himmlischer Ruh, schlaf in himmlischer Ruh. Das nächste Mal lernen wir
das besser. Und jetzt singen wir noch einmal miteinander." „Stille Nacht, heilige Nacht . . ." „Gut, Kinder", sagte er dann. „Eure Eltern können sich ein Beispiel an euch nehmen. So, jetzt geht es an die
Bescherung. Wir wollen doch mal sehen, was wir hier im Sack haben. Aber Moment, hier liegt ja noch ein Zettel!" Er griff nach dem Zettel und las ihn durch. Stimmt das, Thomas, dass du in der Schule oft ungehorsam bist
und den Lehrern widersprichst?" „Ja", sagte Thomas kleinlaut. „So ist es richtig", sagte der Weihnachtsmann. „Nur dumme Kinder glauben alles, was ihnen die Lehrer erzählen. Brav, Thomas!" Herr
Lemm sah den Studenten beunruhigt an. „Aber..." begann er. „Sei doch still", sagte seine Frau. „Wollten Sie etwas sagen?" fragte der Weihnachtsmann Herrn Lemm mit tiefer Stimme und strich sich über den
Bart. „Nein.” „Nein, lieber Weihnachtsmann, heißt das immer noch. Aber jetzt kommen wir zu dir, Petra. Du sollst manchmal bei Tisch reden, wenn du nicht gefragt wirst, ist das wahr?". Petra nickte. „Gut
so", Sagte der Weihnachtsmann. „Wer immer nur redet, wenn er gefragt wird, bringt es in diesem Leben zu nichts. Und da ihr so brave Kinder seid, sollt ihr nun auch belohnt werden. Aber bevor ich in den Sack greife, hätte
ich gerne etwas zu trinken." Er blickte die Eltern an. „Wasser?" fragte Frau Lemm. „Nein, Whisky. Ich habe in der Küche eine Flasche Chivas Regal gesehen. Wenn Sie mir davon etwas einschenken würden? Ohne
Wasser, bitte, aber mit etwas Eis." „Mein Herr!" sagte Herr Lemm, aber seine Frau war schon aus dem Zimmer. Sie kam mit einem Glas zurück, das sie dem Weihnachtsmann anbot. Er lehrte es und schwieg. „Merkt
euch eins, Kinder", sagte er dann. „Nicht alles, was teuer ist, ist auch gut. Dieser Whisky kostet etwa 50 DM pro Flasche. Davon müssen manche Leute einige Tage leben, und eure Eltern trinken dar einfach runter. Ein Trost
bleibt: der Whisky schmeckt nicht besonders." Herr Lemm wollte etwas sagen, doch als der Weihnachtsmann die Rute hob, ließ er es. „So, jetzt geht es an die Bescherung." Der Weihnachtsmann packte die Sachen aus
und überreichte sie den Kindern. Er machte dabei kleine Scherze, doch es gab keine Zwischenfälle, Herr Lemm atmete leichter, die Kinder schauten respektvoll zum Weihnachtsmann auf, bedankten sich für jedes Geschenk und lachten,
wenn er einen Scherz machte. Sie mochten ihn offensichtlich. „Und hier habe ich noch etwas Schönes für dich, Thomas", sagte der Weihnachtsmann. „Ein Fahrrad. Steig mal drauf." Thomas strampelte, der Weihnachtsmann
hielt ihn fest, gemeinsam drehten sie einige Runden im Zimmer. „So, jetzt bedankt euch mal beim Weihnachtsmann!" rief Herr Lemm den Kindern zu. „Er muss nämlich noch viele, viele Kinder besuchen, deswegen will er jetzt
leider gehen." Thomas schaute den Weihnachtsmann enttäuscht an, da klingelte es. „Sind das schon die Gäste?" fragte die Hausfrau. „Wahrscheinlich", sagte Herr Lemm und sah den Weihnachtsmann eindringlich an.
„Öffne doch." Die Frau tat das, und ein Mann mit roter Kapuze und rotem Mantel, über dem ein langer weißer Bart wallte, trat ein. „Ich bin Knecht Ruprecht", sägte er mit tiefer Stimme. Währenddessen hatte Herr
Lemm im Weihnachtszimmer noch einmal behauptet, dass der Weihnachtsmann jetzt leider gehen müsse. „Nun bedankt euch mal schön, Kinder", rief er, als Knecht Ruprecht das Zimmer betrat. Hinter ihm kam Frau Lemm und schaute
ihren Mann achselzuckend an . „Da ist ja mein Freund Knecht Ruprecht", sagte der Weihnachtsmann fröhlich. „So ist es", erwiderte dieser. „Da drauß' vom Walde komm ich her, ich muss euch sagen, es weihnachtet
sehr. Und jetzt hätte ich gerne etwas zu essen" „Wundert euch nicht", sagte der Weihnachtsmann zu den Kindern gewandt. „Ein Weihnachtsmann allein könnte nie all die Kinder bescheren, die es auf der Welt gibt.
Deswegen habe ich Freunde, die mir dabei helfen: Knecht Ruprecht, den heiligen Nikolaus und noch viele andere" Es klingelte wieder. Die Hausfrau blickte Herrn Lemm an, der so verwirrt war, dass er mit dem Kopf nickte;
sie ging zur Tür und öffnete. Vor der Tür stand ein dritter Weihnachtsmann, der ohne Zögern eintrat. „Puh", sagte er. „Diese Kälte! Hier ist es beinahe so kalt wie am Nordpol, wo ich zu Hause bin!" Mit diesen
Worten betrat er das Weihnachtszimmer. „Ich bin Sankt Nikolaus", fügte er hinzu, „und ich freue mich immer, wenn ich brave Kinder sehe. Das sind sie doch - oder?" „Sie sind sehr brav", sagte der Weihnachtsmann.
„Nur die Eltern gehorchen nicht immer, denn sonst hätten sie schon längst eine von den kalten Platten und etwas zu trinken gebracht." „Verschwinden Sie!" flüsterte Herr Lemm in das Ohr des Studenten. „Sagen
Sie das doch so laut, dass Ihre Kinder es auch hören können", antwortete der Weihnachtsmann. „Ihr gehört jetzt ins Bett", sagte Herr Lemm. „Nein", brüllten die Kinder und klammerten sich an den Mantel des
Weihnachtsmannes. „Hunger", sagte Sankt Nikolaus. Die Frau holte ein Tablett. Die Weihnachtsmänner begannen zu essen. „In der Küche steht Whisky", sagte der erste, und als Frau Lemm sich nicht rührte, machte
sich Knecht Ruprecht auf den Weg. Herr Lemm lief hinter ihm her. In der Diele stellte er den Knecht Ruprecht, der mit einer Flasche und einigen Gläsern das Weihnachtszimmer betreten wollte. „Lassen Sie die Hände vom
Whisky!" „Thomas!" rief Knecht Ruprecht laut, und schon kam der junge auf seinem Fahrrad angestrampelt. Erwartungsvoll blickte er Vater und Weihnachtsmann an. „Mein Gott, mein Gott", sagte Herr Lemm, doch
er ließ Knecht Ruprecht vorbei. “Tu was dagegen", sagte seine Frau. „Das ist ja furchtbar. Tu was!" „Was soll ich tun?" fragte er, da klingelte es. „Das werden die Gäste sein!" „Und
wenn sie es nicht sind?" “Dann hole ich die Polizei!" Herr Lemm öffnete. Ein junger Mann trat ein. Auch er hatte einen Wattebart im Gesicht, trug jedoch keinen roten Mantel, sondern einen weiten Umhang, an
dem er zwei Flügel aus Pappe befestigt hatte. Der Weihnachtsmann, der auf die Diele getreten war, als er das Klingeln gehört hatte, schwieg wie die anderen. Hinter ihm schauten die Kinder, Knecht Ruprecht und Sankt Nikolaus auf
den Gast. „Grüß Gott, lieber..." sagte Knecht Ruprecht schließlich. „Lieber Engel Gabriel", ergänzte der Bärtige verlegen. „ich komme, um hier nachzuschauen, ob auch alle Kinder artig sind. Ich bin nämlich
einer von den Engeln auf dem Felde, die den Hirten damals die Geburt des Jesuskindes angekündigt haben. „Ihr kennt doch die Geschichte, oder?" Die Kinder nickten, und der Engel ging etwas befangen ins Weihnachtszimmer.
Zwei Weihnachtsmänner folgten ihm, den dritten, es war jener, der als erster gekommen war, hielt Herr Lemm fest. „Was soll denn der Unfug?" fragte er mit einer Stimme, die etwas zitterte. Der Weihnachtsmann zuckte mit den
Schultern. „Ich begreif auch nicht, warum er so antanzt. Ich habe ihm ausdrücklich gesagt, er solle als Weihnachtsmann kommen, aber wahrscheinlich konnte er keinen roten Mantel auftreiben. " „Sie werden jetzt alle
schleunigst hier verschwinden", sagte Herr Lemm. „Schmeißen Sie uns doch raus", erwiderte der Weihnachtsmann und zeigte ins Weihnachtszimmer. Dort saß der Engel, aß Schnittchen und erzählte Thomas davon, wie es im
Himmel aussah. Die Weihnachtsmänner tranken und brachten Petra ein Lied bei, das mit den Worten begann: „Nun danket alle Gott, die Schule ist bankrott." „Wie viel verlangen sie?" fragte Herr Lemm, „Wofür ?"
„Für Ihr Verschwinden. Ich erwarte bald Gäste, das wissen Sie doch." „Ja, das könnte peinlich werden, wenn Ihre Gäste hier herein platzen würden. Was ist Ihnen denn die Sache wert?" „Hundert Mark",
sagte der Hausherr. Der Weihnachtsmann lachte und ging ins Zimmer. „Holt mal eure Eltern", sagte er zu Petra und Thomas, „Engel Gabriel will uns noch die Weihnachtsgeschichte erzählen." Die Kinder liefen auf die
Diele. „Kommt", schrien sie, „Engel Gabriel will uns was erzählen." Herr Lemm sah seine Frau an. „Halt mir die Kinder etwas vom Leibe", flüsterte er, „Ich ruf jetzt die Polizei an!" „Tu es nicht",
bat sie, „denk doch daran, was in den Kindern vorgehen muss, wenn Polizisten . . ." “ Das ist jetzt völlig egal", unterbrach Herr Lemm. „Ich tu's" „Kommt doch", riefen die Kinder. Herr Lemm
hob den Hörer ab und wählte. Die Kinder kamen neugierig näher. „Hier Lemm", flüsterte er. „ Lemm, Berlin- Dahlem. Bitte schicken Sie ein Überfallkommando." „Sprechen sie bitte lauter." „Ich kann nicht
lauter sprechen, wegen der Kinder. Hier bei mir zu Haus, sind drei Weihnachtsmänner und ein Engel und die gehen nicht weg... Frau Lemm hatte versucht, die Kinder wegzuscheuchen, es war ihr nicht gelungen. Petra und Thomas
standen neben ihrem Vater und schauten ihn an. Herr Lemm verstummte. „Was ist mit den Weihnachtsmännern?" fragte der Beamte, doch Herr Lemm schwieg weiter. „Fröhliche Weihnachten", sagte der Beamte und hängte
auf. Da erst wurde Herrn Lemm klar, wie verzweifelt seine Lage war. „Komm, Pappi", riefen die Kinder, „Engel Gabriel will anfangen." Sie zogen ihn ins Weihnachtszimmer. „Zweihundertfünfzig", sagte er
leise zum Weihnachtsmann, der auf der Couch saß. „Pst", antwortete der und zeigte auf den Engel, der „Es begab sich aber zu der Zeit" sagte und langsam fortfuhr. „Dreihundert". Als der Engel begann, den
Kindern zu erzählen, was der Satz „und die war schwanger" bedeute, sagte Herr Lemm „Vierhundert" und der Weihnachtsmann nickte. „Jetzt müssen wir leider gehen, liebe Kinder", sagte er. „Seid hübsch brav,
widersprecht euren Lehrern, wo es geht, haltet die Augen offen und redet, ohne gefragt zu werden. Versprecht ihr mir das?" Die Kinder versprachen es, und nacheinander verließen der Weihnachtsmann, Knecht Ruprecht,
Sankt Nikolaus und der Engel Gabriel das Haus.

Das kleine Kätzchen und der Weihnachtsmann
Ein kleines Kätzchen lag eingerollt auf einer Stufe eines alten Hauses. Es war ein Tag vor Weihnachten. Die vielen Füße mit den
dicken Winterschuhen, die an dem Kätzchen vorbeilaufen , bemerkt es nicht. Es hatte leicht angefangen zu schneien und ein kalter Wind pfiff um die Häuserecken. Das grauweiße Kätzchen schlug die Augen auf und steckte
die Nase in die feuchte Luft. Kalt ist es geworden und es gab heute noch nichts zu fressen. Es streckte sich und beobachtete die vielen Menschen, die hektisch und schnell durch die Straßen liefen.
So eine Kälte kannte es nicht, denn es war erst im März geboren worden und bei der Mutter mit all den vielen Geschwistern war es herrlich warm gewesen. Der Geruch der Milch, die es regelmäßig zu trinken gab,
stieg ihm in die Nase und es leckte sich das kleine Maul. Schön war es da gewesen, aber plötzlich waren die Geschwister weg und die Mutter hatte sich nicht mehr um es gekümmert. Das war eine schlimme Zeit gewesen, auf einmal
mußte sich das Kätzchen selbst Nahrung suchen und die Geborgenheit der Familie fehlte ihm sehr. Immer weiter lief es von dem Ort der zerronnenen Behaglichkeit fort und landete an einem Platz, wo es viele
Häuser und Menschen gab. Dort war es laut und gefährlich, die großen Gegenstände wechselten schnell und das Kätzchen mußte oft einen riesigen Satz machen, um einem rollendem Ungeheuer auszuweichen.
Es gab zwar viele Mäuse und Reste von Fressen in großem Behältern, aber gemütlich war das nicht. Auch die Revierprobleme der bereits einheimischen Katzen war immer wieder ein großes Problem. Ständig gab es
Auseinandersetzungen und Raufereien bei dem auch mal Blut floß. Das Leben war schwierig und gefährlich geworden und nur in ihren Träumen konnte das kleine Kätzchen noch Freude empfinden.
Und jetzt war es auch noch kalt geworden. Die Nässe kroch sich unters Fell und einen warmen Schlafplatz zu finden wurde immer schwieriger. Traurig und mit knurrendem Magen schlich das Kätzchen
die graue Hausmauer entlang. Die weißen Flocken die jetzt wild umher tanzten legten sich auf sein Fell und färbten es weiß. Ein großer weißer nasser Ball flog ihm entgegen und
zerplatze auf seinem Kopf. Das Kätzchen duckte sich ängstlich und hörte lachende Kinderstimmen an sich vorbeilaufen. Es schüttelte sich und die kalte Masse fiel zu Boden. Überall
brannten schon Lichter und die Dunkelheit breitete sich langsam über die Stadt. Jetzt mußte ein halbwegs warmer Schlafplatz gefunden werden und vielleicht lief ihm ja eine
unvorsichtige Maus über dem Weg. Das wäre mal ein Glück. Aber die gewieften Stadtmäuse hatten längst die Taktik der Katzen erkannt und versteckten sich wohlweislich in ihren tiefen Löchern.
Die vielen dunklen und unheimliche Gänge der nassen Straßen machten ihm immer wieder Angst. Mutlos setzte es sich kurz auf den Randstein und schnaufte tief durch. Still war es geworden und kein Licht brannte mehr. Es
schien, als würden alle Häuser verschwunden und kein Geräusch war zu hören. Plötzlich sah es in einer nahen Querstraße eine helles Licht leuchten. Das war so hell, daß das Kätzchen die Augen zuzwinkern
mußte. Vorsichtig setzte es eine Pfote vor die andere und schlich in die Nähe der ungewohnten Helligkeit. Sein Herz klopfte wild, doch eine angeborene Neugier ließ sich nicht verleugnen.
Als es um die Ecke lugte, woher das merkwürdige Licht kam, glaubte es seinen Augen nicht zu trauen. Das Licht schien wie ein Kreis und in dem Kreis saß ein dicker Mann mit einem langen, weißem Bart und einem
rotem Mantel und neben ihm stand eine Kutsche und daran waren große Tiere eingespannt. Er hatte die Hand an der Stirn und schüttelte ständig den Kopf und murmelte: „Ohje, ohje, ohje, ohje“.
Um ihm herum lagen lauter Spielsachen kunterbunt durcheinander. Da gab es Puppen, Stofftiere –auch eine rote Stoffkatze war darunter -, Naschwerk und vieles mehr. So viele herrliche Sachen hatte das Kätzchen noch nie
gesehen. Der dicke Mann hielt einen alten Leinensack in die Höhe und sagte zu den komischen Tieren vor seiner Kutsche. „Ihr wart eindeutig zu schnell. Ihr seid ja in die Kurve
gegangen als wäre heute schon Silvester. Jetzt haben wir den Salat. Bis ich den Sack wieder gefüllt habe ist es ja bereits hell und dann können wir sehen, wie wir das schaffen.“
Die braunen Tiere mit den großen Hörnern standen betreten da und steckten die Köpfe zusammen. Es war ihnen anscheinend sehr peinlich. Das Kätzchen konnte sich gar nicht satt sehen an diesen
vielen Herrlichkeiten. Wie schön mußte das sein, mal wieder so richtig ungezwungen zu spielen und etwas so richtig zu zerfetzen, sowie es immer mit den Geschwistern gewesen war. Das Licht strahlte eine wohlige Wärme aus und das
Kätzchen hätte sich gerne in mitten der Spielsachen gesetzt und nur geschaut. Aber der fremde Mann war sehr ungehalten und schüttelte weiter pausenlos den Kopf. Vielleicht schleiche ich mich einfach mal heran und
verstecke mich unter dem großen Teddybären, dachte es mutig. Der Mann dreht ihm sein dickes Hinterteil zu und war ganz vertieft darin, einer Puppe das lange blonde Haar zu entwirren.
Kätzchen machte eine kleinen Sprung und kroch ganz leise unter den großen braunen Bären. Er hatte eine dickes, weiches Fell und er erzeugte eine wunderbare Wärme. Mit weit geöffneten Augen beobachtete es den großen Mann der
–es traute kaum seinen Ohren- ein kleines Liedchen vor sich her sang. „Morgen Kinder wird’s was geben, morgen werden wir uns freuen. Welch ein Trubel, welche eine Leben, wird in
unserem Hause sein. Einmal werden wir noch wach, heißa dann ist Weihnacht“. Die Ohren des kleinen Kätzchens standen ganz hoch. Das war sehr schön, was der dicke Mann da sang. Aber was war
denn bitte sehr Weihnacht? Was zum Fressen? Oder heißen die Tiere vor der Kutsche Weihnacht? Es überlegte, ob es dieses Wort schon mal gehört hatte, aber meistens hörte es nur „geh weg“ oder bekam einen Tritt.
Durch die Wärme und den Gesang des alten Mannes begann sich unser Kätzchen sehr wohl zu fühlen. Es entspannte sich und legte die Ohren an. Die Pfoten steckte es unter den Körper.
War das gemütlich, dachte es. Ich bleibe noch ein bißchen und dann verschwinde ich wieder, nahm es sich vor. Die Augen wurden ihm immer schwerer und eine bleierne Müdigkeit breitet sich in seinem Körper aus. Nein, nein ich
döse nur ein wenig, ich habe alles im Griff. Das dachte es sich zumindest, denn plötzlich wurde es von einer riesengroßen Hand hochgehoben und in der Sack gesteckt. Voller Angst und zu Tode erschrocken durch den
leichten Schlaf machte das kleine Kätzchen einen Purzelbaum und versank immer tiefer in den großen dunklen Käfig. Die Krallen tief in den Teddybären gebohrt verharrte es voller Entsetzen in der Dunkelheit. Immer mehr
Gegenstände fielen auf seinem Kopf und wurden mit der großen Hand in den Sack gestopft. Oh nein, was ist nur passiert. Ich bin doch ganz wach gewesen, jammerte das kleine Kätzchen. Wie komme ich da bloß wieder raus?
Aber das war nicht so einfach, denn der große Sack wurde mit einer Kordel verschnürt und auf einmal flog der Sack samt Inhalt in die Luft und fiel auf einen harten Boden. Gott
sein Dank war der Teddybär dick gepolstert, denn sonst hätte sich unser Kätzchen ganz schön weh getan. Aber damit war noch lange nicht alles zu Ende. Plötzlich gab es einen Ruck und alles war in Bewegung. Immer schneller
und schneller wurde es und das Kätzchen hörte die Stimme des Mannes laut rufen. „Los auf geht’s, keine Müdigkeit vorschützen wir haben Zeit aufzuholen“. Es gab ein zischendes Geräusch und irgendwie wurde es
dem Kätzchen plötzlich ganz leicht, als würde es schweben und durch die Luft fliegen. Aber das kann ja nicht sein, Katzen können nicht fliegen und Menschen doch eigentlich auch nicht. Zumindest hatte es so was noch nie erlebt.
Doch es war so. Der große Sack ruckelte und wackelte und das erste Mal in seinem jungen Leben war unser Kätzchen froh, daß es noch nichts gefressen hatte, denn sonst würde ihm jetzt furchtbar schlecht werden.
Die Krallen fest in den Teddy verkeilt starrte es angstvoll in die Dunkelheit und sein kleines Katzenherz schlug ihm bis zum Halse. Das war wirklich das sonderbarste, was es bis jetzt erlebt
hatte. Nicht mal die Schlägerei mit dem schwarzen Tyrannen, der in der Straße mit den vollsten Mülltonnen wohnte, konnte es damit aufnehmen. Immer höher und schneller ging es und das Kätzchen verlor
bald jedes Zeitgefühl. Wahrscheinlich werde ich jetzt sterben? Schade, ich hatte doch noch so viel vor. Traurig schloß es die Augen und krallte sich wieder fester in das weiche Fell des Teddybären.
Doch was war das? Plötzlich stand alles still. Es gab ein dumpfes Geräusch und der große Sack wurde hochgehoben. Wieder wurde unser Kätzchen ein wenig geschüttelt, aber nicht mehr so stark wie am Anfang. Es
glaubt auch Stimmen zu hören und wärmer war es auch wieder geworden. Kätzchen spitzte die Ohren und hörte, was da draußen los war. „Hallo liebe Kinder, wißt ihr denn, wer ich bin“ fragte die
dunkle Stimme des großen Mannes. Kätzchen hatte es gleich wieder erkannt. „Du bist der Nikolaus“ schrien aufgeregte Kinderstimmen durcheinander. Nikolaus, dachte das Kätzchen, schon wieder so ein fremdes
Wort. Aber wenigstens wußte es jetzt, wie der große Mann mit Namen hieß. „Das ist richtig, und weil ihr brav gewesen seid, habe ich euch auch etwas mitgebracht.“
Der Nikolaus öffnete den Sack und griff mit seiner großen Hand hinein. Er erwischte die blonde Puppe die knapp neben unserem jetzt wieder sehr ängstlichen Kätzchen lag.
„Die ist für dich, weil du ganz besonders fleißig in der Schule warst.“ sagte der Nikolaus freundlich. „Vielen Dank, lieber Nikolaus“ bedankte sich eine artige Stimme.
„Und was bekomme ich“ rief eine helle Stimme ungeduldig dazwischen. „Sei doch ruhig, du kommst auch noch dran“ Das klang so ähnlich wie die Stimme des Nikolaus, aber doch ein bißchen
anders. Wieviele wollten denn da noch Geschenke? dachte das Kätzchen nervös. „Für dich habe ich ganz was Schönes dabei“ lachte der Nikolaus Wieder fuhr die große Hand in den Sack. Oh Schreck, sie
packte nach dem braunen, dicken Teddybären, an welchem sich unser Kätzchen so angstvoll klammerte. Nein, nein, schrie es innerlich, und krallte sich noch mehr in das Fell und plötzlich gab es einen Ruck und Kätzchen war
aus dem Sack und landete in zwei kleinen Kinderarmen. Das war vielleicht ein Anblick. Alle schauten mit großen Augen auf das kleine Kätzchen, welches sich am liebsten in den Teddybären hinein verkrochen hätte.
Der Nikolaus, die Eltern und das kleine Mädchen schauten verdutzt auf den kleinen Jungen der sein „Geschenk“ in den Armen hielt. „Eine Katze“ rief er freudig, „und ein Bär, gleich zwei Geschenke“.
„Da stimmt aber was nicht“ murmelte der Nikolaus stirnrunzelnd, „das stand nicht auf meiner Wunschliste“. Auch die Eltern der Kinder schauten völlig entgeistert, erst auf die Katze und dann auf den Nikolaus.
„Ist die süß“, sagte das kleine Mädchen und streichelte liebevoll das Fell des Kätzchens. „Schau mal, sie hat ja Angst“. Die Mutter nahm unser Kätzchen, was noch völlig verängstigt an dem Teddy hing,
vorsichtig in den Arm und kraulte ihm das Köpfchen. „Tja das ist zwar nicht ganz das, was wir bestellt hatten, aber so ein hübsches Tierchen geben wir natürlich nicht mehr
her. Dich schickt ja förmlich der Himmel zu uns.“ lachte die freundliche Frau und dann lachten alle. Noch nie hatte Kätzchen so liebevolle Streicheleinheiten bekommen. Es begann sich zu entspannen und schnurrte
ganz leise. Die ganze Familie stand jetzt um den unfreiwilligen Gast und beobachteten das kleine Kätzchen. Der Nikolaus legte seine große Hand auf sein Köpfchen.
„Ich bin mir zwar noch nicht sicher, aber ich kann mir schon denken wo ich dich aufgelesen habe. Hier wird es dir bestimmt gut gehen kleines Kätzchen.“ schmunzelte der Nikolaus
Ihr könnt euch sicher denken, wie überrascht unser Kätzchen war, als es von allen Seiten gestreichelt und geherzt wurde. Das erste Schüsselchen voller warmer Milch schmeckte wundervoll und die Erinnerungen an die frühere
Zeit mit der Mutter und den Geschwistern stiegen wieder in ihm hoch. Und als sich der Nikolaus später verabschiedete und mit lauten Gebimmel von dannen fuhr, stand unser Kätzchen
dankbar und glücklich am Fenster und schaute zu, wie sich die große Kutsche mit den vielen braunen Tieren in die Luft schwang und langsam am Horizont verschwand.
Es hatte wieder leicht angefangen zu schneien und als sich
unser Kätzchen vom Fenstersims ins heimelige warme Wohnzimmer mit dem großen geschmückten Baum und den Geschenken und den vielen Menschen, die alle so lieb zu ihm waren, begab, da dachte es sich, wenn das Weihnachten
ist, dann ist es das schönste, was ich je erlebt habe.
von Barbara Pronnet

Brief an das Christkind
In Nürnberg lebte eine alte Frau, für sie war das Leben einsam und grau, mit Ihrem Einkommen war es schlecht bestellt, mit einem Wort – sie hatte kein Geld.
Sie überlegte angestrengt hin und her, woher denn Geld zu kriegen wär'.
Ihr kam ein Gedanke – oh, wie fein, so schrieb sie ein Brief an das Christkindlein.
LIEBES CHRISTKIND ICH BIN ALT UND ARM, DAS GELD IST ZU WENIG, ICH BITTE ERBARM, DRUM SCHICKE MIR SCHNELLSTENS 100 EURO,
SONST MÜSSTE ICH HUNGERN UND WÄR NICHT MEHR FROH.
EINE ANDERE HILFE WEISS ICH NICHT MEHR, DENN OHNE MONETEN IST`S DOCH RECHT SCHWER, ABER BITTE BEEILE DICH MIT DEM GELD,
SONST IST`S NICHT MEHR SCHÖN AUF DIESER WELT.
Der Brief wird frankiert, in den Kasten gesteckt, der Postbote ihn dann morgens entdeckt, er liest die Adresse – was soll er nur machen,
“AN DAS CHRISTKIND” – das ist ja zum Lachen.
Er denkt sich aber, ein Spaß muss sein, der kommt ins Fach vom Finanzamt hinein. Am nächsten Tag dort angekommen, wird er vom Beamten in Empfang genommen.
Wenn Sie nun glauben, er schmeißt weg diesen Brief, oh, so ist das nicht, da liegen Sie schief,
er liest die Adresse und denkt gleich daran, wie man der alten Frau helfen kann.
Ja, Glauben Sie mir, das ist kein Scherz, es gibt beim Finanzamt mal jemand mit Herz, ihm kommt ein Gedanke, und das ist fein, das könnt für die Frau eine Hilfe sein.
Er fängt gleich an durch die Büros zu wandern und sammelt recht fleißig von einem zum andern.
Doch leider war er über den Erlös nicht ganz froh, statt 100, bekam er nur 70 Euro.
Aber diese wurden dann verwandt und an die arme Frau gesandt. Diese freute sich sehr, man kann's kaum ermessen, dass das Christkind hat sie nicht vergessen.
So schrieb Sie rasch einen Dankesbrief, in Eile sie zum Postamt lief. Sie schrieb ans liebe Christkindlein
dieses nette Briefelein:
LIEBES CHRISTKIND DEINE GABE FREUT MICH SO, VIELEN DANK FÜR DIE 70 EURO. DOCH SOLLTEST DU MAL WIEDER AN MICH DENKEN,
UND SO GÜTIG MIR WIEDER WAS SCHENKEN, DANN MÖCHTE ICH DICH NUR UM EINES BITTEN, DAS GELD NICHT ÜBER DAS FINANZAMT SCHICKEN. DENN DIE LUMPEN HABEN UNGELOGEN, VON DEN 100 EURO 30 ABGEZOGEN...
Adventszeit
Die meisten Leute haben im Winter eine Grippe. Die ist mit Fieber. Wir haben auch eine, aber die ist mit Beleuchtung und man schreibt sie mit K.
Drei Wochen bevor das Christkindl kommt stellt Papa die Krippe im Wohnzimmer auf und meine kleine Schwester und ich dürfen mithelfen. Viele Krippen sind langweilig, aber die unsere nicht, weil wir haben mordsdolle Figuren darin.
Ich habe einmal den Josef und das Christkindl auf den Ofen gestellt damit sie es schön warm haben und es war ihnen zu heiß. Das Christkindl ist schwarz geworden und den Josef hat es in lauter Trümmer zerrissen. Ein
Fuß von ihm ist bis in den Plätzchenteig geflogen und es war kein schöner Anblick. Meine Mama hat mich geschimpft und gesagt, daß nicht einmal die Heiligen vor meiner Blödheit sicher sind.
Wenn Maria ohne Mann und ohne Kind herumsteht, schaut es nicht gut aus. Aber ich habe gottseidank viele Figuren in meiner Spielzeugkiste und der Josef ist jetzt Donald Duck. Als Christkindl wollte ich den Asterix
nehmen, weil der ist als einziger so klein, daß er in den Futtertrog gepaßt hätte. Da hat meine Mama gesagt, man kann doch als Christkindl keinen Asterix hernehmen, da ist ja das verbrannte Christkindl noch besser. Es
ist zwar schwarz, aber immerhin ein Christkindl. Hinter dem Christkindl stehen zwei Ochsen, ein Esel, ein Nilpferd und ein Brontosaurier. Das Nilpferd und den Brontosaurier habe ich
hineingestellt, weil der Ochs und der Esel waren mir zu langweilig. Links neben dem Stall kommen gerade die heiligen drei Könige daher. Ein König ist dem Papa im letzten Advent beim Putzen heruntergefallen und
war total hin. Jetzt haben wir nur mehr zwei heilige Könige und einen heiligen Batman als Ersatz. Normal haben die heiligen drei Könige einen Haufen Zeug für das
Christkind dabei, nämlich Gold, Weihrauch und Püree oder so ähnlich. Von den unseren hat einer anstatt Gold ein Kaugummipapier dabei, das glänzt auch schön. Der andere hat eine Marlboro in der Hand, weil wir
keinen Weihrauch haben. Aber die Marlboro raucht auch schön. wenn man sie anzündet. Der heilige Batman hat eine Pistole dabei. Das ist zwar kein Geschenk für
das Christkindl, aber damit kann er es vor dem Saurier beschützen. Hinter den drei Heiligen sind ein paar rothäutige Indianer und ein käsiger Engel. Dem Engel ist ein Fuß abgebrochen, darum haben wir ihn auf ein
Motorrad gesetzt, damit er sich leichter tut. Mit dem Motorrad kann er fahren, wenn er nicht gerade fliegt. Rechts neben dem Stall haben wir ein Rotkäppchen hingestellt. Sie hat
eine Pizza und drei Weizen für die Oma dabei und reißt gerade eine Marone ab. Einen Wolf haben wir nicht, darum lugt hinter dem Baum ein Wildschwein als Ersatz-Wolf hervor. Mehr steht in unserer Krippe nicht,
aber das reicht voll. Am Abend schalten wir die Lampen an und dann ist unsere Krippe erst so richtig schön. Wir sitzen so herum und singen Lieder vom Advent. Manche gefallen mir, aber die meisten sind mir zu lahm.
Mein Opa hat mir ein Gedicht vom Advent gelernt und es geht so: Advent, Advent, der Bärwurz brennt. Erst trinkst oan, dann zwoa, drei und vier, dann hauts de mit deim Hirn an d' Tür.
Obwohl dieses Gedicht recht schön ist, hat Mama gesagt, daß ich es mir nicht merken darf. Im Advent wird auch gebastelt. Wir haben eine große Schüssel voll Nüsse
und eine kleine voll Goldstaub. Darin wälzen wir die Nüsse, bis sie golden sind, und das Christkindl hängt sie später an den Christbaum. Man darf nicht fest schnaufen, weil der Goldstaub ist total leicht und er fliegt herum,
wenn man hinschnauft. Einmal habe ich vorher in den Goldstaub ein Niespulver hineingetan und wie mein Vater die erste Nuß darin gewälzt hat, tat er einen Nieser, daß es
ihn gerissen hat und sein Gesicht war golden und die Nuß nicht. Mama hat ihn geschimpft, weil er keine Beherrschung hat und sie hat gesagt, er stellt sich dümmer an als wie ein Kind.
Meinem Vater war es recht zuwider und er hat nicht mehr mitgetan. Er hat gesagt, daß bei dem Goldstaub irgend etwas nicht stimmt und Mama hat gesagt, daß höchstens bei ihm etwas nicht stimmt. Ich habe mich sehr
gefreut, weil es war insgesamt ein lustiger Adventabend. Kurz vor Weihnachten müssen wir unsere Wunschzettel schreiben. Meine Schwester wünscht sich meistens Puppen oder sonst irgend einen Kram.
Ich schreibe vorsichtshalber mehrere Sachen drauf und zum Schluß schreibe ich dem Christkindl, es soll einfach soviel kaufen bis das Geld ausgeht. Meine Mama sagt, das ist eine Unverschämtheit und irgendwann bringt
mir das Christkindl gar nichts mehr, weil ich nicht bescheiden bin. Aber bis jetzt habe ich immer etwas gekriegt. Und wenn ich groß bin und ein Geld verdiene, dann kaufe ich mir selber
etwas und bin überhaupt nicht bescheiden. Dann kann sich das Christkindl von mir aus ärgern, weil dann ist es mir wurscht. Bis man schaut ist der Advent vorbei und Weihnachten auch und mit dem
Jahr geht es dahin. Die Geschenke sind ausgepackt und man kriegt bis Ostern nichts mehr, höchstens, wenn man vorher Geburtstag hat. Aber eins ist sicher: Der Advent kommt immer wieder.

Vier Kerzen Vier Kerzen brannten am Adventskranz so still, dass man hörte, wie die Kerzen zu reden begannen. Die erste Kerze seufzte und sagte:
„Ich heiße Frieden. Mein Licht leuchtet, aber die Menschen halten keinen Frieden!“ Ihr Licht wurde immer kleiner und verlosch schließlich ganz.
Die zweite Kerze flackerte und sagte:
„Ich heiße Glauben, aber ich bin überflüssig. Die Menschen wollen von GOTT nichts wissen. Es hat keinen Sinn mehr, dass ich brenne.“ Ein Luftzug wehte durch den Raum, und die zweite Kerze war aus.
Leise und traurig meldete sich nun die dritte Kerze zu Wort: „Ich heiße Liebe. Ich habe keine Kraft mehr zu brennen. Die Menschen stellen mich an die Seite, sie sehen nur sich selbst, und nicht die anderen,
die sie lieb haben sollen.“ Und mit einem letzten Aufflackern war auch dieses Licht ausgelöscht.
Da kam ein Kind in das Zimmer. Es schaute die Kerzen an und sagte
„Aber – aber, ihr sollt doch brennen und nicht ausgelöscht sein!“ Und fast fing es an zu weinen. Da meldete sich auch die vierte Kerze zu Wort. Sie sagte:
„Hab keine Angst! So lange ich brenne, können wir auch die anderen Kerzen wieder anzünden. Ich heiße Hoffnung!“
Mit einem Streichholz nahm das Kind Licht von dieser Kerze und zündete die anderen Lichter wieder an!
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