LUSTIGE GEDICHTE

 

Es fraß ein Huhn,
man glaubt es kaum,
ein Blatt von einem Gummibaum.
Dann ging es in den Hühnerstall
und legte einen Gummiball.

 

Die Gans erwacht im fremden Forst,
sie lag in einem Adlerhorst.
Sie sah sich um und sprach betroffen:
Mein lieber Schwan, war ich besoffen!

 

Der Eber der war mißgestimmt,
weil seine Kinder Ferkel sind!
Nicht nur die Frau, die Sau alleine,
auch die Verwandtschaft... alles Schweine!
 

lange blaue linie mit pfeil 

 

Der Spatz

Es flog ein Spatz spazieren
hinaus aus großer Stadt.
Er hatte all die Menschen
und ihr Getue satt.
Er spitzte keck den Schnabel
und pfiff sich was ins Ohr.
Er kam sich hier weit draußen
wie eine Lerche vor.
Er traf hier auch manch Rindvieh,
sah auch manch Haufen Mist . . .
Er sah, daß es woanders
auch nicht viel anders ist.
 

lange blaue linie mit pfeil 

 

 

Gedicht der Frau:

Müde bin ich, geh zur Ruh,
mache meine Augen zu.
Lieber Gott bevor ich schlaf,
bitte ich Dich noch um was.
Schick mir mal 'nen netten Mann,
der auch wirklich alles kann.
Der mir Komplimente macht,
nicht über meinen Hintern lacht,
mich stets nur auf Händen trägt,
sich Geburtstage einprägt,
Sex nur will, wenn ich grad mag
und mich liebt wie am ersten Tag.
Soll die Füße mir massieren
und mich schick zum Essen führen.
Er soll treu und zärtlich sein
und mein bester Freund obendrein.

Gedicht des Mannes:

Lieber Gott,

schicke mir eine taubstumme Nymphomanin die einen
Getränkehandel besitzt
und Jahreskarten für meinen Lieblingsfußballverein
...Und es ist mir scheißegal, dass sich das nicht reimt!
 

lange blaue linie mit pfeil 

 

Die Kälte kann uns heut´ nicht schocken,
weil wir hier im Warmen hocken.

Der Schnee bedeckt das ganze Haus,
wir gehen keinen Meter raus.

Es brennt das Feuer im Kamin,
Gemütlichkeit gibt´s nur hier drin.

Kuschle dich in deine Decke ein,
und lass den Winter, Winter sein.

 

lange blaue linie mit pfeil 

 

Der Kuss

Der Liebe erster Hochgenuss
ist ohne Zweifel wohl der Kuss,
er ist beliebt und macht vergnügt,
ob man ihn nimmt, ob man ihn gibt.

Er kostet nichts, ist unverbindlich,
denn er vollzieht sich immer mündlich.
Hat man die Absicht, dass man küsst,
muss man mit aller Macht und List
den Abstand zu verringern trachten
und zärtlich mit den Augen schmachten.

Die Blicke werden tief und tiefer,
es nähert sich der Unterkiefer
und dann versucht man mit geschloss´´nen Augen
sich aneinander festzusaugen.

Jedoch nicht der Mund allein,
braucht des Kusses Ziel zu sein.
Man küsst die Wangen und die Hände
und auch andere Gegenstände,
die ringsherum mit Vorbedacht,
sämtlich am Körper angebracht.

Und wie man küsst ist ganz verschieden,
im Norden anders als im Süden.
Der eine heiß, der andere kühl,
ein dritter mit Andacht und Gefühl.

Der eine haucht, der and´re schmatzt,
als ob ein alter Reifen platzt.
Hingegen wiederum der Keusche,
vermeidet jegliche Geräusche.

Der eine kurz, der andere länger -
den längsten nennt man Dauerbrenner!
Ein Kuss ist wenn zwei Lippenlappen,
in Liebe aufeinander klappen
und dabei ein Geräusch entsteht,
als wenn eine Kuh durch Matsche geht.

von Eugen Roth
 

lange blaue linie mit pfeil 

 

 

Wir sitzen hier und trinken Bier,
in Gedanken sind wir bei dir,
starkes sehnen, starkes hoffen,
können nicht denken – sind zu besoffen…

In diesem Sinne : Prost!
 

lange blaue linie mit pfeil 

 

 

Glaubt mir, ich habe den Osterhasen gesehen,
er kam aus der Kneipe, er konnte kaum steh'n!
Auf Eier braucht Ihr nun nicht zu hoffen,
denn Schlappohr hat nämlich das Geld versoffen.
Er wanke zum Bau und lallte nur:
"Drei kleine Bierchen, drei Whisky pur."
Heut hab' ich ihn erneut getroffen,
der Bursche war schon wieder besoffen.
So gibt's dieses Jahr, ich fürchte es sehr,
nur Ostergaben mit Eierlikör!
 

lange blaue linie mit pfeil 

 



Der Regentropfen

Ein Regentropfen vom Himmel fiel,
erkundet nun die Welt,
fliegt vor sich hin, mal hier mal dort,
so wie es Ihm gefällt.

Der Zeitdruck ihn auf seinem Flug
und seinem Weg begleitet,
er zwanghaft sich so langsam doch
auf den Sturz vorbereitet.

Er hat sein Ziel nun im Visier
und nicht mehr so viel Zeit.
"Platsch" machte es
dort liegt er nun
auf Deinem Fenster bereit.

Was er nicht hat einkalkuliert,
das war die Fensterform.
Ein Schräges hier auf Deinem Dach,
das störte Ihn enorm.

Er kullerte nun unfreiwillig
durch die Fensterritze
und landete in Deinem Bett
auf Deiner Nasenspitze.

Dann schaute er dir noch ein Weilchen
beim Schlummern freudig zu
und legte sich sanft neben dich.
dann endlich selbst zur Ruh.

Wenn Sehnsucht mir mein kleines Herz
heut` Nacht lässt nach dir klopfen,
wie gern wär` ich in deinem Bett
der kleine Regentropfen.
 

lange blaue linie mit pfeil 


Der Schmetterling

Es war einmal ein buntes Ding
ein so genannter Schmetterling.
Der flog wie alle Falter
recht sorglos für sein Alter.
Er nippte hier - er nippte dort
und war er satt, so flog er fort.
Flog zu den Hyazinthen
und schaute nicht nach hinten.
So kam´s, dass dieser Schmetterling
verwundert war, als man ihn fing.

Heinz Erhardt

 

lange blaue linie mit pfeil 

Herbstgedicht

Wenn die Blätter von den Bäumen stürzen, 
die Tage täglich sich verkürzen, 
wenn Amsel, Drossel, Fink und Meisen 
die Koffer packen und verreisen, 
wenn all die Maden, Motten, Mücken, 
die wir versäumten zu zerdrücken, 
von selber sterben - so glaubt mir: 

steht der Winter vor der Tür!

Heinz Erhardt